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Elektronik & High-Tech

Qualcomm & Samsung: Überraschendes 2nm-Comeback?

13. Jan. 2026
7 Min. Lesezeit
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Thomas RenardTech-Experte
Qualcomm & Samsung: Überraschendes 2nm-Comeback?

Qualcomm erwägt eine Rückkehr zu Samsung für seine 2nm-Chips nach der CES 2026. Eine riskante Strategie, um der Dominanz von TSMC entgegenzuwirken.


Die CES 2026 in Las Vegas hat gerade ihre Tore geschlossen, und während KI-Gadgets allgegenwärtig waren, platzte die eigentliche Bombe hinter den Kulissen. Cristiano Amon, CEO von Qualcomm, bestätigte, was die Gerüchteküche seit Monaten vermutete: Der US-Gigant befindet sich in fortgeschrittenen Gesprächen mit Samsung Foundry über die Produktion seiner zukünftigen Chips im 2-Nanometer-Verfahren (2nm).

Diese Ankündigung markiert einen potenziellen Wendepunkt in der Halbleiterindustrie. Nachdem Qualcomm Samsung im Jahr 2022 aufgrund der Hitzeprobleme des Snapdragon 8 Gen 1 den Rücken gekehrt hatte, scheint das Unternehmen bereit zu sein, dem koreanischen Auftragsfertiger eine zweite Chance zu geben. Warum dieser Sinneswandel? Und ist das eine gute Nachricht für unsere zukünftigen Smartphones? Analyse eines gewagten industriellen Pokerzugs.

In Kürze

Falls du keine Zeit hast, alles zu lesen, hier das Wichtigste:

  • Bestätigtes Comeback: Qualcomm hat nicht nur Gespräche aufgenommen, sondern bereits das Design eines Testchips auf Samsungs 2nm-Node (SF2) finalisiert.
  • Die "Double Sourcing"-Strategie: Qualcomm will das Monopol von TSMC brechen, da deren Preise explodieren (30.000 $ pro Wafer) und die Fabriken durch Apple und Nvidia voll ausgelastet sind.
  • Technologisches Risiko: Samsung setzt auf seinen Vorsprung bei der GAA-Technologie (Gate-All-Around), aber die Fertigungsausbeute (Yields) liegt noch unter der von TSMC, was Fragen zur endgültigen Stabilität der Chips aufwirft.

Kontext: Die Geister der Vergangenheit und die Dominanz von TSMC

Um zu verstehen, warum diese Ankündigung so überraschend ist, müssen wir ein paar Jahre zurückblicken.

Die Trennung von 2022

Im Jahr 2021 und Anfang 2022 wurde Qualcomms Flaggschiff-Prozessor, der Snapdragon 8 Gen 1, von Samsung Foundry gefertigt. Das Ergebnis war durchwachsen, um nicht zu sagen kritisch: Die Smartphones wurden übermäßig heiß und die Akkulaufzeit schmolz dahin. Der Fertigungsprozess von Samsung war schlichtweg nicht auf dem Niveau seines taiwanesischen Rivalen TSMC.

Qualcomm traf daraufhin mitten im Zyklus eine radikale Entscheidung: Die Produktion der verbesserten Version (Snapdragon 8+ Gen 1) wurde zu TSMC verlagert. Das Ergebnis war sofort spürbar: mehr Leistung, weniger Hitzeentwicklung, bessere Laufzeit. Seitdem hat TSMC exklusiv den Snapdragon 8 Gen 2, Gen 3 und den aktuellen Gen 4 (Elite) produziert und damit seinen Ruf als unangefochtener Marktführer zementiert.

Warum TSMC heute ein Problem darstellt

Auch wenn TSMC technisch an der Spitze steht, bereitet ihre Quasi-Monopolstellung bei den feinsten Strukturbreiten (3nm und kleiner) Qualcomm drei große Probleme:

  1. Die Preise: TSMC lässt sich seine Dienste teuer bezahlen. Man spricht von einer Preissteigerung von 10 bis 20 % für den Wechsel auf 2nm, was Spitzenwerte von fast 30.000 US-Dollar pro Wafer (Siliziumscheibe) bedeutet.
  2. Die Kapazität: Jeder will zu TSMC. Apple reserviert oft fast die gesamten ersten Produktionslinien für seine iPhones (A-Series) und Macs (M-Series). Nvidia sichert sich den Rest für seine KI-Chips. Qualcomm muss regelrecht um Fertigungsslots kämpfen.
  3. Das geopolitische Risiko: 100 % der Produktion in Taiwan zu konzentrieren, bleibt ein strategisches Risiko, das US-Unternehmen zu minimieren versuchen.

Tiefenanalyse: Die Wette auf Samsungs 2nm

In diesem Kontext kehrt Samsung mit seinem SF2-Fertigungsknoten (2 Nanometer) zurück ins Rennen. Aber was bedeutet das konkret?

Die GAA-Technologie: Samsungs geheimer Trumpf?

Hier wird die Technik spannend. Um so fein zu fertigen (2nm), muss die Industrie die Struktur der Transistoren selbst verändern. Man wechselt von FinFET (genutzt bis 3nm bei TSMC) zu GAA (Gate-All-Around) oder MBCFET bei Samsung.

Stell dir einen Gartenschlauch vor. Beim alten System (FinFET) drückte man den Schlauch von drei Seiten zusammen, um das Wasser (den Strom) zu stoppen. Mit GAA umschließt man den Schlauch komplett. Die Kontrolle über den Stromfluss ist total: weniger Leckströme (Energieverlust), mehr Leistung.

  • Der Samsung-Vorteil: Samsung nutzt diese GAA-Technologie bereits seit seiner 3nm-Fertigung (SF3). Sie sind beim 2nm-Prozess also schon in ihrer dritten Generation.
  • Der TSMC-Rückstand: TSMC führt GAA erst ab 2nm ein. Es ist ihre erste Generation auf dieser Architektur.

Auf dem Papier besitzt Samsung also mehr praktische Erfahrung mit dieser komplexen neuen Struktur. Dieses technische Argument, gepaart mit einem aggressiven kommerziellen Angebot, hat Cristiano Amon überzeugt.

Die Fabrik in Taylor, Texas: Ein politisches Argument

Ein weiterer Schlüsselfaktor ist die bevorstehende Eröffnung der riesigen Samsung-Fabrik in Taylor, Texas. Für ein US-Unternehmen wie Qualcomm ist es ein enormer politischer Vorteil, seine Chips mit "Made in USA" labeln zu können (auch über einen koreanischen Auftragsfertiger), ganz im Sinne des CHIPS Act.

Eine zweigleisige Strategie?

Laut Analysten auf der CES wird Qualcomm nicht alles auf eine Karte setzen. Das wahrscheinlichste Szenario ist eine "Multi-Source"-Strategie:

  • Die "Ultra Premium"-Chips (z. B. Snapdragon 8 Elite Gen 6 "Pro") würden bei TSMC bleiben, um maximale Leistung ohne Risiko zu garantieren.
  • Die "Standard High-End"-Chips oder spezifische Varianten könnten an Samsung vergeben werden.
  • Das gibt Qualcomm einen gewaltigen Verhandlungshebel: "Senkt eure Preise, oder wir geben Samsung mehr Volumen."

Die positiven Aspekte

Sollte diese Partnerschaft für die Massenproduktion Ende 2026 oder 2027 zustande kommen, sind mehrere Vorteile zu erwarten:

  • Kostensenkung (und damit niedrigere Preise?): Samsung soll seine 2nm-Wafer für rund 20.000 $ anbieten, also etwa 30 % günstiger als TSMC. Wenn Qualcomm diese Ersparnis weitergibt, könnte das die galoppierende Inflation bei High-End-Smartphones bremsen.
  • Versorgungssicherheit: Mit zwei Zulieferern vermeidet Qualcomm Engpässe. Hat eine Fabrik Probleme, kann die andere einspringen.
  • Erzwungene Innovation: Konkurrenz belebt das Geschäft. Wenn Samsung zu TSMC aufschließen kann, zwingt das den taiwanesischen Riesen, noch schneller zu innovieren oder die Preise zu moderieren, was der gesamten Tech-Branche zugutekommt.

Die Grenzen und Nachteile

Dies ist der wichtigste Abschnitt. Trotz des Optimismus auf der CES ist nicht alles rosig. Es gibt echte Risiken für den Endverbraucher.

1. Die Chip-Lotterie

Das ist der Albtraum versierter Nutzer. Wenn Qualcomm beschließt, den gleichen Prozessor (z. B. Snapdragon 8 Gen 5) in zwei verschiedenen Fabriken zu produzieren, könnten wir Leistungsunterschiede erleben.
Stell dir vor, du kaufst ein Galaxy S27: Das Modell in Europa (Samsung-Chip) könnte heißer werden oder weniger leistungsfähig sein als das Modell in den USA (TSMC-Chip), obwohl beide denselben Handelsnamen tragen. Das gab es schon früher beim iPhone 6s (Samsung- vs. TSMC-Chip) und ist eine große Quelle für Frustration.

2. Noch instabile Ausbeute (Yields)

Industrieberichte vom Januar 2026 deuten darauf hin, dass Samsungs Ausbeute bei 2nm bei etwa 50 bis 60 % liegt. Das bedeutet, dass fast die Hälfte der Chips auf einem produzierten Silizium-Wafer fehlerhaft ist und im Ausschuss landet.
Im Vergleich dazu zielt TSMC in diesem Reifestadium oft auf 70-80 % ab.

  • Konsequenz: Wenn Samsung seine Yields nicht schnell verbessert, können sie nicht die enormen Mengen liefern, die Qualcomm für einen weltweiten Start (wie bei der Galaxy S-Serie) benötigt. Das könnte zu Verzögerungen oder begrenzten Lagerbeständen führen.

3. Das Thermomanagement muss sich erst beweisen

Erfahrung mit GAA ist eine Sache, die thermische Realität eine andere. Samsung litt jahrelang unter dem Ruf eines "Hitzkopf"-Herstellers. Auch wenn sich die Technologie ändert, braucht die Optimierung der Fertigungsprozesse Zeit.


Und jetzt?

Das Design steht, die Gespräche laufen, aber für die Massenproduktion ist noch nichts in Silizium gemeißelt.

  • Worauf man achten sollte: Die Ankündigungen zum Snapdragon 8 Elite Gen 5 (erwartet Ende 2025/Anfang 2026) und vor allem zum Gen 6. Wahrscheinlich wird der Samsung-Einfluss erst bei der Generation 2027 spürbar sein.
  • Die Rolle des Galaxy S27: Samsung Electronics (die Mobilsparte) wird der logische erste Kunde sein. Es ist sehr wahrscheinlich, dass das Galaxy S27 eine "For Galaxy"-Version des Snapdragon nutzt, die... von Samsung Foundry gefertigt wird. Damit würde sich der Kreis schließen.

Fazit

Qualcomm spielt eine komplexe Partie Schach. Die Rückkehr zu Samsung ist keine Herzensangelegenheit, sondern eine wirtschaftliche und strategische Notwendigkeit, um sich nicht von TSMC erdrücken zu lassen.

Für dich als Verbraucher ist das ein zweischneidiges Schwert. Einerseits könnte es verhindern, dass dein nächstes Smartphone 2.000 kostet. Andererseits bringt es ein Risiko bezüglich Qualität und Energieeffizienz zurück, das TSMC in den letzten Jahren erfolgreich beseitigt hatte.

Wenn du planst, dein High-End-Smartphone in den nächsten 18 Monaten zu wechseln, bleibst du bei TSMC (aktueller Snapdragon 8 Elite). Der Wechsel zu Samsung wird wahrscheinlich erst Geräte betreffen, die Ende 2026 oder 2027 erscheinen. Hoffen wir bis dahin, dass Samsung Foundry wirklich die Kurve gekriegt hat.

TR

Thomas Renard

Tech-Experte

Bekennender Geek und Early Adopter – Thomas analysiert Specs und testet Gadgets vor allen anderen. Als Ex-Ingenieur trennt er Fakten von Marketing-Blabla.

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